29.09.2011

Zwei Smartphones in einem

Unternehmen stellen ihren Mitarbeitern zunehmend Smartphones zur Verfügung. Dabei müssen die Firmen ihre Daten möglichst gut schützen, während die Mitarbeiter auch privat Apps installieren möchten. Sicherheitsexperten haben die Gerätesoftware nun so weiterentwickelt, dass es zwei getrennte Bereiche gibt: den geschäftlichen und den privaten. Auf der Messe IT-SA vom 11. bis zum 13. Oktober in Nürnberg stellen die Forscher die Entwicklung erstmals vor (Halle 12, Stand 461).

Das Smartphone der Firma, das Privathandy, Haus- und Autoschlüssel, Portemonnaie – die Gegenstände, die man täglich mit sich herumträgt, werden immer mehr. Viele Menschen nutzen ein Geschäfts-Smartphone daher auch privat. Das ist zwar praktisch, Mitarbeiter und IT-Abteilung haben jedoch unterschiedliche Interessen: Die meisten Arbeitnehmer möchten das Gerät möglichst uneingeschränkt verwenden, beliebig Programme installieren und nutzen. Dies kann Hackern aber ermöglichen, die Unternehmen anzugreifen. IT-Abteilungen versuchen deshalb oft, die Nutzung von Smartphones entsprechend einzuschränken. Sicherheitsexperten des Fraunhofer-Instituts für Sichere Informationstechnologie SIT und des Centers for Advanced Security Research Darmstadt CASED haben jetzt für Android-basierte Smartphones die Sicherheitslösung ’BizzTrust for Android’ entwickelt: Sie trennt auf dem Gerät die privaten Anwendungen von den geschäftlichen.

BizzTrust-Smartphones bieten für Daten und Apps zwei Schutzbereiche. Sie erkennen, ob die Inhalte zu einer privaten oder geschäftlichen Anwendung gehören, speichern diese getrennt im jeweiligen Abschnitt ab und kontrollieren den Zugriff auf diese Daten während des Betriebs. Dies erhöht die Sicherheit der Geschäftsdaten, der Mitarbeiter kann trotzdem privat beliebige Apps installieren. Selbst wenn Angreifer eine unsichere App einschleusen, können sie damit nicht auf die Firmendaten zugreifen – die Auswirkungen des Angriffs bleiben auf die privaten Daten des Smartphones begrenzt. »Unsere Entwicklung verbessert die Sicherheit heutiger mobiler Endgeräte wesentlich, ohne die Benutzerfreundlichkeit der Geräte einzuschränken«, sagt Prof. Dr. Ahmad-Reza Sadeghi, Leiter der Cyber-Physical Systems Security am Fraunhofer SIT/CASED. Durch ein farbiges Symbol im Display erkennt der Anwender jederzeit, ob er sich im geschäftlichen, dem »grünen«, oder dem privaten, dem »roten« Areal befindet. Zwei »Klicks« auf dem Touchscreen, und das Smartphone wechselt auf die jeweils andere Seite.

Um diese beiden virtuellen Smartphones in einem Gerät zu realisieren, haben die Experten das Android-Betriebssystem so modifiziert, dass alle Daten aus vertrauenswürdigen Anwendungen entsprechend markiert werden. Welche Anwendungen fürs Geschäftliche freigegeben sind und wer auf welche Bereiche der Firmen-IT zugreifen darf, entscheidet das Unternehmen selbst. Da sich diese Regelungen ändern können, werden die geschäftlichen Anwendungen bei Bedarf aktualisiert oder gelöscht, sobald der Nutzer sich mit dem Unternehmensnetz verbindet. Ein weiterer Vorteil dabei: Die Firmen haben die Möglichkeit, eigene Apps für Mitarbeiter bereitzustellen und regelmäßig zu aktualisieren. Die Sicherheit ist auch dabei stets gewährleistet: Bevor das Telefon sich über eine gesicherte VPN-Verbindung in das Unternehmen einwählt, wird die Software des Telefons überprüft. Wurde diese verändert, können kritische Anwendungen gesperrt werden.

Auf der Messe it-sa stellen die Forscher das System BizzTrust for Android vor. In einem nächsten Schritt wollen sie Smartcards in Smartphones integrieren, die weitere Sicherheitsfunktionen zur Verfügung stellen. Als Ergänzung zu BizzTrust entwickeln die Forscher des SIT jetzt gemeinsam mit Partner-Firmen Werkzeuge, mit denen IT-Administratoren Smartphones im Alltag verwalten können: Sie bauen eine sichere Verbindung zu dem mobilen Gerät auf, synchronisieren gespeicherte Daten drahtlos, sichern die Inhalte oder löschen sie – falls das Gerät verloren geht oder gestohlen wird.


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