04.07.2011

Nehmen Sie doch gleich zwei

Fraunhofer SIT wirbt mit Partnern aus dem Rhein-Main-Gebiet um Doppelkarriere-Paare

Forschende Paare in das Rhein-Main-Gebiet zu holen, ist Ziel des Netzwerks, das vier Hochschulen und elf außeruniversitäre Forschungsinstitute in Frankfurt und Darmstadt gegründet haben. Auf gemeinsame Initiative der Goethe-Universität Frankfurt am Main und der Technischen Universität Darmstadt unterzeichneten sie hierzu eine strategische Vereinba­rung. Das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst unterstützte den Verhandlungsprozess für den regionalen Verbund zur Förderung dieser so genannten „Dual Career-Paare“. Das sind Paare, bei denen beide Wert darauf legen, ihre berufliche Laufbahn konsequent zu verfolgen. Ein so groß angelegtes und verbindliches Dual Career-Netzwerk von Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen ist in Deutschland bislang einzigartig.

Alle Forschungseinrichtungen im Verbund haben bei der Anwerbung von Spitzenwissen­schaft­lerinnen und -wissenschaftlern die Erfahrung gemacht, dass diese in der Regel die angebotene Stelle nicht antreten wollen, wenn dadurch die Karriere ihrer Partnerin oder Partners leidet oder sie dauerhaft zwischen ihrer Familie und dem Arbeitsort pendeln müssen. Rund die Hälfte aller Forschenden leben in einer Beziehung mit jemandem, der ebenfalls in der Wissenschaft tätig ist. Gleich zwei passende Stellen für solche Paare anzubieten, ist jedoch schwierig. Hier schafft ein dichtes Netzwerk von vielfältigen Wissenschaftsorganisationen attraktive Möglichkeiten. Es gibt feste Ansprechpersonen bei jeder Institution, die Anfragen aus dem Netzwerk intern an die richtige Stelle bringt.

Das konnte Arjan Vink, promovierter Chemiker aus den Niederlanden, erfolgreich erproben. Nachdem seine Frau, Fleur Kemmers, die Juniorprofessur für Münzwissenschaft an der Goethe-Universität angenommen hatte, pendelte das Paar zunächst zwischen beiden Ländern. Schon bald war klar, dass Vink sich ebenfalls eine Stelle im Frankfurter Raum suchen sollte, aber auch, dass es nicht leicht werden würde, eine passende Stelle zu finden: In den Niederlanden war er Geschäfts­führer eines renommierten Hirnforschungsinstituts. Über den Dual Career Service der Goethe-Universität, der Partner von Neuberufenen bei ihrer Stellensuche unterstützt, kam ein erster Kontakt zum Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt zustande. Wenig später schrieb es eine Stelle für Aufbau und Leitung einer internationalen Graduiertenschule aus. Der Niederländer bewarb sich und bekam den Job. „Ich bin sehr froh über meine neue, sehr interessante Stelle, besonders weil sie sogar in einem internationalen Umfeld ist. Dabei können meine Frau und ich beide in Frankfurt arbeiten und wohnen. Wir fühlen uns hier ‚angekommen‘ und wirklich wohl“.

Dass die gelungene berufliche Integration der Partner von Spitzenkräften auch dafür sorgt, dass beide ihren Arbeitgebern länger erhalten bleiben, spricht sich herum. Bereits mit rund einem halben Dutzend weiterer Forschungseinrichtungen in der Region ist das Netzwerk im Gespräch über deren Beitritt. „In einem so forschungsstarken Ballungsraum zu sein, erweist sich als großer Standortvorteil. Und das gilt nicht nur für die Forschung im Verbund, sondern auch bei der Anwerbung der ‚besten Köpfe‘“, freut sich Prof. Rosér Valentì, Vizepräsidentin der Goethe-Universität.

Auch Dr. Manfred Efinger, Kanzler der Technischen Universität (TU) Darmstadt, bestätigt aus seiner Erfahrung die Bedeutung der Unterstützung von Dual Career-Paaren. „Im nationalen und internationalen Wettbewerb um die besten Wissenschaftler/innen spielt die Förderung der Vereinbarkeit von Karriere und Partnerschaft eine immer größere Rolle. Für die TU Darmstadt ist daher die Kooperation im Verbund Rhein-Main eine weitere strategische Ausrichtung um Spitzenwissenschaftler/innen für die TU Darmstadt zu gewinnen.“

Auch Unternehmen beginnen, sich mit dem Thema zu befassen, denn auch sie erleben zunehmend, dass ihre Wunschkandidaten Stellenangebote ausschlagen, weil den Partnerinnen und Partnern keine berufliche Perspektive angeboten werden kann. Vor dem Hintergrund drohenden Fachkräftemangels ist dieser Trend nicht zu ignorieren. Gerade Unternehmen, die sich Familienfreundlichkeit auf die Fahnen geschrieben haben, geraten langsam in Handlungsdruck. Schon jetzt gibt es zahlreiche Kontakte der Dual Career Services zu Unternehmen. Den zukünftigen Beitritt von Unternehmen würde das neu gegründete Netzwerk begrüßen.

Die 15 Gründungsmitglieder des Netzwerks:

  • Goethe-Universität Frankfurt am Main
  • Technische Universität Darmstadt
  • Fachhochschule Frankfurt am Main
  • Hochschule Darmstadt
  • Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF)
  • Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS)
  • Fraunhofer Institut für Graphische Datenverarbeitung (Fraunhofer IGD)
  • Fraunhofer Institut für Sichere Informationstechnologie (Fraunhofer SIT)
  • Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH (GSI)
  • Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK)
  • Max-Planck-Institut für Biophysik
  • Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte
  • Max-Planck-Institut für Hirnforschung
  • Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung
  • Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung (SGN)

Informationen: Marlar Kin, Koordinatorin Dual Career Service, Goethe-Universität , Gleichstellungsbüro, Campus Bockenheim, Tel: (069) 798-28113, kin@em.uni-frankfurt.de

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