ADiWa

Allianz Digitaler Warenfluss

Zusammen mit Partnern aus Industrie und Forschung erarbeitet das Fraunhofer SIT in der Allianz Digitaler Warenfluss Methoden und Werkzeuge für die Absicherung dynamischer Geschäftsprozesse. Ziel der 2009 gestarteten Allianz ist die Komposition, Steuerung und Anpassung komplexer, dynamischer Geschäftsprozesse auf Basis von Daten aus der realen Welt, die beispielsweise durch RFID-Technologie gewonnen wurden.

Das Internet der Dinge wird marktfähig

Die elektronische Vernetzung eingebetter Objekte mit dem Internet hat in vielen Bereichen - durch die RFID (Radio Frequency IDentification)-Technologie und durch den OPC-Standard zur herstellerunabhängigen Kommunikation in der Automatisierungstechnik – einen hohen Reifegrad erreicht und eröffnet damit breite Vermarktungschancen. Der Begriff »Internet der Dinge« (Internet of Things,IoT) ist international etabliert und bedeutet im Allgemeinen, dass physische Objekte untereinander und mit Rechnersystemen über Internettechnologien kommunizieren können.

ADiWa schließt entscheidende Lücken

Im Internet der Dinge kommt es darauf an, jedes einzelne Objekt/Produkt in die Warenlogistik einzubinden und aus der Lieferung und dem Verkauf eines RFID-bestückten Produkts automatisierte Aktionen für komplexe Warenwirtschaftssysteme und andere Geschäftsprozesse zu erzeugen. Das volle Potenzial des Internets der Dinge lässt sich aber nur erschließen, wenn die Verarbeitung dynamischer Informationen und die zeitnahe, automatische Erkennung und Verarbeitung geschäftsrelevanter Ereignisse stärker in den Mittelpunkt rücken. Ein Produkt geht in seinem Lebenszyklus von der Entstehung über Verkauf und Wartung bis zur Verwertung durch zahlreiche Stationen. Um die Verbindung zu den verschiedensten damit verbundenen Geschäftsprozessen möglich und flexibel steuerbar zu machen, muss eine komplexe Software-Logistik entstehen. Im Projekt ADiWa setzt sich ein leistungsstarkes Konsortium aus Wirtschaft und Wissenschaft zum Ziel, diese Mechanismen zu erforschen, umzusetzen und zu erproben. Damit soll es möglich werden, komplexe, dynamische Geschäftsprozesse anhand von aufbereiteten Informationen aus der realen Welt auszuwählen, zu komponieren, zu steuern oder sogar komplett neu zu entwickeln. Dies kann nur geschehen, wenn die Lücken zwischen den Systemen auf den unterschiedlichen Ebenen, auf denen die Informationen erfasst, gesammelt und genutzt werden, geschlossen werden.

Umsetzung

Mit ADiWa lässt sich das große Potenzial der Informationen des Internets der Dinge für Abläufe erschließen, die betriebswirtschaftlich relevant und auch strategisch zu planen und zu beeinflussen sind. Für die eigentliche datentechnische Anbindung von Objekten aus der realen Welt soll zum Teil auf am Markt verfügbare Lösungen sowie auf Ergebnisse aus dem Projekt SemProM (Digitales Produktgedächtnis) zurückgegriffen werden. ADiWa fokussiert auf Geschäftsprozesse, wie sie auf Basis der ausgewerteten Informationen aus der realen Welt dynamisch zu steuern und zu verändern sind. Dazu wird ein umfassender Satz entsprechender Werkzeuge und Mechanismen für den Entwurf und auch für die Laufzeit von Geschäftsprozessen angepasst bzw. neu geschaffen. Das umfasst Methoden und Werkzeuge sowohl für eine adäquate Modellierung von dynamischen Geschäftsprozessen und deren Steuerung, als auch für die Anbindung der komplexen Ereignisse. Dafür müssen u.a. graphische Modellierungswerkzeuge mit Primitiven (einfache graphische Figuren) erweitert werden, um die Kopplung mit Infrastrukturen zur Anbindung der realen Welt zu beschreiben. Zusätzlich sollen Konzepte für eine auf die Ausführung solcher Geschäftsprozesse optimierte Laufzeitumgebung prototypisch umgesetzt werden, die auf Informationen aus der realen Welt zugreifen können.

Ein weiterer Aspekt ist das Erkennen, Verarbeiten und Nutzen »Komplexer Ereignisse«. Diese werden anhand von Regeln aus einfachen Ereignissen des Internets der Dinge definiert und spiegeln deren Zusammenwirken wider. »Komplexe Ereignisse« sind für Geschäftsprozesse zumeist wichtiger als einfache, ihre Modellierung besonderes interessant. Die zusätzliche Entwicklung generischer Dienste soll die Wiederverwendbarkeit und dynamische Anpassung der Geschäftsprozesse für beliebige Industrien sicherstellen.

Sicherheitsmanagement dynamischer Geschäftsprozesse

Geschäftsprozesse, welche auf Informationen des Internets der Dinge basieren, haben besondere Eigenschaften, welche neuartige Sicherheitsmechanismen erfordern. In solchen Geschäftsprozessen spielen vernetzte Objekte eine zentrale Rolle, da sie Träger von Informationen sind und dadurch Abläufe dynamisch steuern können. Zeitgleich haben die an einem Geschäftsprozess beteiligten Parteien (unterschiedliche) Sicherheitsinteressen, z.B. im Bezug auf die Weitergabe sensibler Information, die wiederum in den Objekten gespeichert werden können.

Das Fraunhofer SIT bearbeitet in der Allianz die folgenden Schwerpunktthemen:

  • Sicherheitsmodellierung dynamischer Geschäftsprozesse
  • Formulierung von Sicherheitsrichtlinien für eingebette Objekte
  • Vorausschauende Bewertung des Sicherheitsstatus dynamischer Geschäftsprozesse