Frankfurt am Main, 20. November 2008. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) und das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geben den Startschuss für das Projekt „Sichere Intelligente Mobilität – Testfeld Deutschland ( SIM-TD)“. Im weltweit größten Feldversuch zur Kommunikation zwischen Fahrzeugen und zwischen Fahrzeugen und Verkehrsinfrastruktur (Car-2-X-Kommunikation) untersuchen Unternehmen der Automobilindustrie mit ihrem Verband, Telekommunikationsindustrie, Wissenschaft sowie die öffentliche Hand gemeinsam den Beitrag intelligenter Kommunikationssysteme zur Verbesserung der Verkehrssicherheit und Mobilität.
Um die Vision von intelligenter Interaktion im Straßenverkehr Wirklichkeit werden zu lassen, unterstützen das BMWi und das BMBF SIM-TD mit zirka 30 Millionen Euro direkter Projektförderung. Zusätzlich investiert das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung zirka acht Millionen Euro für den Aufbau von Kommunikationseinheiten am Straßenrand. Das Projekt ermöglicht erstmalig eine Untersuchung aller zugehörigen Technologien und Anwendungen im alltagsnahen Betrieb. Dazu gehören insbesondere die Übermittlung frühzeitiger Gefahren-meldungen und Verkehrsinformationen, die bessere Erfassung der Verkehrslage sowie ergänzende Dienste wie beispielsweise Infotainmentanwendungen.
Bei dem praxisorientierten Projekt wird in den nächsten vier Jahren ein Versuchsgebiet im Ballungsraum Frankfurt / Rhein-Main aufgebaut und mehrere hundert Testfahrzeuge mit Kommunikationseinheiten („Car Communication Units“, CCU) ausgestattet. Sie kommunizieren dabei sowohl mit einer auf das automobile Umfeld optimierten Variante des WLAN-Standards als auch mit bekannten Mobilfunktechnologien wie UMTS. Hierbei findet die Kommunikation sowohl zwischen den Fahrzeugen als auch mit Kommunikationseinheiten am Straßenrand („Road Side Units“, RSU) an ausgewählten Verkehrsknotenpunkten statt, die wiederum eine Verbindung zu Verkehrszentralen herstellen. Die durch die Fahrzeuge gewonnenen lokalen und hochaktuellen Verkehrsinformationen werden in den Verkehrszentralen ausgewertet und an potenziell betroffene Fahrzeuge übermittelt. Jeder teilnehmende Fahrer erhält damit individuelle Informationen über den weiteren Verkehrsablauf auf „seiner“ Strecke. So wird ihm das nicht einsehbare Stauende in der vor ihm liegenden Kurve durch einen Warnhinweis ebenso vor Augen geführt wie ein sich erst wenige Minuten zuvor ereigneter Unfall.
Um dieses Vorhaben zu realisieren, hat sich für das Projekt SIM-TD ein Konsortium zusammengefunden, das die wesentlichen Interessensgruppen zur Einführung eines solchen Car-2-X-Kommunikationssystems umfasst. Die Unternehmen Daimler, BMW, Volkswagen, Opel, Ford, Audi, Bosch und Continental, organisiert im Verband der Automobilindustrie (VDA), vertreten im Projekt die deutsche Automobil- und Zuliefererindustrie. Die Deutsche Telekom bringt die Expertise eines globalen Telekommunikationsanbieters ein. Das Hessische Landesamt für Straßen- und Verkehrswesen sowie die Stadt Frankfurt am Main stehen stellvertretend für Länder und Kommunen. Die Wissenschaft ist durch die Universität Würzburg, TU Berlin, TU München und die Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes sowie das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz und die Fraunhofer-Gesellschaft am Projekt beteiligt.
Die Steigerung der Verkehrssicherheit und -effizienz sind insbesondere für ein Transitland wie Deutschland von großer Bedeutung. Industrie, öffentliche Hand und Wissenschaft arbeiten schon seit vielen Jahren gemeinsam an Lösungen, die die Anzahl von Verkehrsunfällen reduzieren und den Verkehrsinfarkt verhindern sollen. Kooperative Systeme, das heißt Fahrzeuge und Infrastruktureinrichtungen, die miteinander kommunizieren, sind nach Meinung vieler Experten der nächste wesentliche Schritt zu einer weiteren substantiellen Verbesserung der Verkehrssicherheit und des Verkehrsflusses auf Deutschlands Straßen.
Die technologischen Grundlagen zum Einsatz kooperativer Systeme im Verkehr wurden in den letzten Jahren in kleineren Forschungsprojekten geschaffen. Das Projekt SIM-TD macht nun den nächsten logischen Schritt, indem es diese Technologien für den Einsatz im praktischen Betrieb weiterentwickelt und die Systeme in einem praxisnahen Umfeld erprobt. Es erschließt damit das Potential dieser Technologie für die Bevölkerung und sichert zusätzlich die Wettbewerbs-fähigkeit der deutschen Industrie in einem wichtigen Zukunftsmarkt.
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